Ein Pass.
Zwei Welten.
Ronnys Bewertung

Kondition

Landschaft
Das Hinter Jochli auf 2’105 Metern über Meer ist weit mehr als der höchste Punkt dieser Wanderung. Es bildet die Grenze zwischen Nidwalden und Uri – und gleichzeitig zwischen zwei Bergwelten, die unterschiedlicher kaum sein könnten.
Nördlich des Übergangs liegen der Vierwaldstättersee und die touristisch erschlossenen Nidwaldner Voralpen. Südlich davon öffnet sich die abgeschiedene Bergwelt des Urner Isenthals.
Ebenso gegensätzlich sind die Panoramen. Richtung Norden reicht der Blick bei klarer Sicht vom Stanserhorn über Pilatus und Rigi bis weit ins Schweizer Mittelland. Luzern, Sempachersee, Baldeggersee und Hallwilersee sind zu erkennen. Am Horizont zeigen sich sogar die Jurakette und der Schwarzwald mit dem knapp 1’500 Meter hohen Feldberg.
Südwärts hingegen eröffnet sich eine eindrückliche alpine Bergwelt. Die Urner und Glarner Alpen liegen einem zu Füssen, mit markanten Gipfeln wie dem Uri Rotstock und dem Blackenstock.
Eine Wanderung, die auf vergleichsweise kurzer Distanz gleich mehrere Landschaftswechsel bereithält.
Etappe: Klewenalp – Hinter Jochli
Die Tour startet bei der Bergstation der Seilbahn Beckenried–Klewenalp. Die Klewenalp ist im Sommer wie im Winter ein beliebtes Ausflugsziel. Entsprechend gross ist der Besucherandrang – keineswegs nur an Wochenenden.
Auf dem ersten Kilometer säumen mehrere Restaurants den Weg. Dieser gleicht hier eher einer Strasse als einem Wanderweg. Erst nach dem letzten Restaurant wird daraus ein eigentlicher Bergwanderweg. Gleichzeitig beginnt der Aufstieg zum Hinter Jochli.
Die Route folgt zunächst der Sesselbahn Staffel–Chälen, die im Winter in Betrieb ist. Wie vielerorts in Skigebieten führt der Weg durch Gelände, das für den Wintersport teilweise stark verändert wurde. Landschaftlich ist dieser Abschnitt wenig reizvoll. Das grossartige Panorama Richtung Vierwaldstättersee entschädigt jedoch dafür.
Bei der Bergstation Chälen ändert sich das Landschaftsbild schlagartig. Das Skigebiet bleibt zurück, und eine eindrückliche alpine Landschaft übernimmt die Hauptrolle.
Bis zum Hinter Jochli begleitet einen nun eine Bergkulisse, die den wenig inspirierenden ersten Teil des Aufstiegs schnell vergessen lässt.
Etappe: Hinter Jochli – Bielen
Der erste Teil des Abstiegs führt der Bergflanke entlang und ist zunächst nur mässig steil. Dennoch verlangt dieser Abschnitt Aufmerksamkeit.
Zweimal müssen ausgedehnte Schotterfelder mit losem Gestein überquert werden. Die Steine bieten wenig Halt, und ein klar erkennbarer Wanderweg fehlt stellenweise. Umso wichtiger wären gut sichtbare Wegmarkierungen. Gerade diese sind jedoch stark verblasst und benötigen dringend eine Auffrischung.
Besonders heikel ist die Orientierung bei einer Abzweigung Richtung Schwalmis. Die Signalisation ist nur schwer zu erkennen. Auch ich schlug zunächst den falschen Weg ein. Erst als der Weg unerwartet wieder anstieg, wurde ich stutzig und kehrte um.
Neben diesen Herausforderungen hält die Landschaft eine zoologische Besonderheit bereit: die Nidwaldner Haarschnecke.
Diese kleine, kälteliebende Schnecke besitzt ein sehr begrenztes natürliches Verbreitungsgebiet. Sie gehört damit zu den sogenannten Endemiten – Tier- oder Pflanzenarten, die weltweit nur in einem geografisch eng begrenzten Gebiet vorkommen.
Steigende Temperaturen setzen solchen Arten besonders zu. Die Nidwaldner Haarschnecke ist auf kühle Lebensräume angewiesen. Weicht sie in höhere Lagen aus, stösst sie in den vergleichsweise niedrigen Bergen rund um den Schwalmis irgendwann an natürliche Grenzen. Übrigens: bei meinem Abstieg habe ich eine Nidwaldner Haarschnecke am Wegesrand entdeckt. Was für eine schöne Begegnung!
Doch nicht nur diese seltene Schnecke macht die Etappe interessant. Auffallend sind auch die zahlreichen kleinen Bergseen, Tümpel und Feuchtgebiete. Die sogenannten Seelenen bieten unter anderem Erdkröten und Bergmolchen wertvolle Lebensräume.
Besonders reizvoll ist der Kontrast zwischen diesen wasserreichen Kleinlandschaften und den unmittelbar angrenzenden trockenen, felsdurchsetzten Berghängen.
Etappe: Bielen – Ober Bolgen – Unter Bolgen
War der Abstieg vom Hinter Jochli nach Bielen noch vergleichsweise moderat, wird es nun deutlich anspruchsvoller.
Der Weg führt steil bergab. Über längere Abschnitte bilden grössere, treppenartig angeordnete Steine den Untergrund. Nicht jeder Tritt ist gleich hoch oder gleich bequem zu setzen.
Hier sind Konzentration, Trittsicherheit und vor allem eine gute Balance gefragt. Wer bereits einige Höhenmeter in den Beinen hat, spürt die zusätzliche Anstrengung besonders deutlich.
Etappe: Unter Bolgen – Gitschenen
Die letzte Etappe ist gleichzeitig die kürzeste und technisch einfachste. Der Weg führt nun mehrheitlich über Weiden und an einzelnen Bauernhöfen vorbei.
Diese verstreuten Höfe bilden den kleinen Weiler Gitschenen auf einer Terrasse auf rund 1’546 Metern über Meer. Gitschenen gehört zur Gemeinde Isenthal und ist ausschliesslich zu Fuss oder mit der Luftseilbahn erreichbar.
Gemäss einem SRF-Bericht aus dem Jahr 2025 leben hier lediglich 26 Menschen – und das ganzjährig.
Was für Besucherinnen und Besucher wie eine idyllische Bergwelt wirkt, ist für die Einheimischen zugleich ein Lebens- und Arbeitsraum mit besonderen Herausforderungen. Landwirtschaft, eingeschränkte Erreichbarkeit, Schulwege und die Abwanderung gehören zum Alltag.
Engagierte Bewohnerinnen und Bewohner versuchen deshalb, mit kulturellen Initiativen neue Perspektiven zu schaffen und dem Bevölkerungsrückgang entgegenzuwirken.
Gerade dieser Gegensatz zwischen der romantischen Vorstellung vom Leben in den Bergen und der Realität eines kleinen, abgelegenen Weilers macht Gitschenen besonders interessant.
So endet eine Wanderung, die weit mehr bietet als grossartige Panoramen: Sie führt von einer touristisch geprägten Bergwelt in eine abgelegene Kulturlandschaft – und zeigt unterwegs, wie vielfältig die Zentralschweizer Alpen auf engstem Raum sein können.
Anreise und Rückreise
Anreise: Mit der SBB oder der Südostbahn SOB bis Luzern (LU). In Luzern umsteigen auf die Zentralbahn ZB bis Stans (NW). Ab Stans mit dem Bus der Linie 311, Kante A, bis Beckenried, Post (NW). Zu Fuss, ca. 200 Meter, bis zur Talstation der Seilbahn Beckenried-Klewenalp. Anschliessend mit der Seilbahn hochfahren bis zur Bergstation Klewenalp (NW).
Oder: mit der SBB bis Rotkreuz (ZG). In Rotkreuz umsteigen auf den Bus der Linie 653, Bahnhof Süd, Kante D, in Richtung Weggis, Seilbahn bis Weggis, Dorfplatz (LU). Anschliessend mit dem Schiff den Vierwaldstättersee überqueren bis Beckenried, See (NW). Ab der Schiff-Anlegestelle zu Fuss, ca. 200 Meter, bis zur Talstation der Seilbahn Beckenried-Klewenalp. Anschliessend mit der Seilbahn hochfahren bis zur Bergstation Klewenalp (NW).
Rückreise: Ab Gitschenen mit der Seilbahn hinunter fahren bis zur Talstation in Isenthal, St. Jakob (UR). Anschliessend mit dem Bus der Linie 405 bis Altdorf, Bahnhof (UR). Ab Altdorf bestehen Anschlüsse mit der SBB oder der Südostbahn SOB in die restliche Schweiz.
Nützliche Links für deine Reiseplanung:
Fahrplan SBB bzw. Fahrplan Postauto
Etappen
ü | 0 | 1’593 m.ü.M. | |
Hinter Jochli | 2 Std. | 2’105 m.ü.M. | |
Bielen | 2 Std. 15 Minuten | 1’967 m.ü.M. | |
Unter Bolgen | 2 Std. 45 Minuten | 1’657 m.ü.M. | |
Gitschenen | 3 Std. 15 Minuten | 1’546 m.ü.M. |
Verpflegungstipps
Klewenalp Stockhütte, Beckenried | Link zur Webseite |
Naturfreundehütte Röthen, Beckenried | Link zur Webseite |
Berggasthaus Tannibüel, Beckenried | Link zur Webseite |
Alpstübli Gitschenen, Isenthal | Link zur Webseite |
Berggasthaus Gitschenen, Isenthal | Link zur Webseite |
Übernachtungstipps
Klewenalp Stockhütte, Beckenried | Link zur Webseite |
Berggasthaus Tannibüel, Beckenried | Link zur Webseite |
Alpstübli Gitschenen, Isenthal | Link zur Webseite |
Berggasthaus Gitschenen, Isenthal | Link zur Webseite |












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