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6. September 2023

Viertausender neben Viertausender, Gletscher neben Gletscher

Ronnys Bewertung

Kondition

Landschaft


Vorab: Dies ist in landschaftlicher Hinsicht eine der schönsten Touren, die ich je gemacht habe. Sie führt durch eine atemberaubend schöne hochalpine Welt. Viertausender reiht sich an Viertausender, Gletscher an Gletscher. Jeder Meter dieser Tour gewährt spektakuläre Bergpanoramen. Rundum, ohne Einschränkungen. Vom Le Pleureur (3’704m ü. M.), über den Mont Blanc de Cheilon (3’542m ü. M.), die Pigne d’Arolla (3’787m ü. M.), den Petit Mont Collon (3’555m ü. M.), den l’Evêque (3’716m ü. M.) bis zu den verschiedenen Gipfeln des Bouquetins, die über 3’800m ü. M. in den Himmel ragen. Und vom Col de Riedmatten sind sogar im Hintergrund die Spitzen des Weisshorns (4’505m ü. M.), der Dent-Blanche (4’357m ü. M.) und des weltbekannten Matterhorns (4’478m ü. M.) erkennbar. Es gibt nicht viele Orte in Europa, die eine solche Ansammlung von Viertausendern aufweisen können. In dieser Bergwelt zählt, zumindest für mich, nur das Jetzt. Es gibt kein Davor. Es gibt kein Danach. Nur das Sein in dieser fantastischen Bergwelt ist wichtig.

Die Tour ist konditionell anspruchsvoll. Einerseits die Wegzeit von nahezu sechs Stunden und andererseits ist – abgesehen von der Passage entlang des Lac de Dix – der Aufstieg wie auch der Abstieg steil. Insbesondere die letzten 130 Höhenmeter unmittelbar vor dem Col de Riedmatten sind extrem steil. Gefühlt geht’s hier quasi senkrecht rauf. Ketten helfen hier diese Passage zu stemmen. Deshalb ordne ich diese Passage dem Schwierigkeitsgrad T3 zu. Für geübte Berggänger ist aber auch diese Passage problemlos machbar, vor allem bei guten Wetterverhältnissen und trockenem Boden. Der restliche Weg der Tour ist hingegen vorbehaltlos dem Schwierigkeitsgrad T2 zuzuordnen.

Die Tour startet bei der Bergstation der Seilbahn „Grande Dixence“, die vom Fuss der Staumauer zu deren Krone hochfährt und dabei eine Höhe von 285 Metern überwindet. Mit 285 Metern Höhe ist diese Staumauer aktuell das höchste Bauwerk der Schweiz und zudem die höchste Staumauer Europas bzw. die Nummer acht weltweit. Wie auch immer: die Dimensionen dieses Bauwerks sind gigantisch. Falls die Zeit reicht, empfehle ich das Informationszentrum „Grande Dixence“ zu besuchen, das sich unmittelbar bei der Talstation der Seilbahn befindet. Zurück zur Tour. Die erste Etappe bis zur Wegmarkierung 2’371m ü. M. ist mehr ein Spaziergang als eine Tour im hochalpinen Gebirge. Die Etappe geht über eine Länge von 7,4km auf einer Betriebsstrasse flach dem Stausee entlang. Kurz nach dem Start führt sie durch einige Tunnels. Dabei gibt’s auch längere Tunnels. Die langen Tunnel sind beleuchtet bzw. es befinden sich an deren Eingängen Schalter fürs Einstellen der Beleuchtung. Die erste Etappe ist konditionell anspruchslos. Dafür lässt sie emotional bereits erahnen, in welche grandiose Bergwelt diese Tour führt. Je näher das erste Etappenziel kommt, desto gewaltiger und beeindruckender wird die Bergkulisse. Wohin auch immer der Blick hin schweift, es ist atemberaubend schön. Man kann sich nicht satt sehen.

War die erste Etappe ein Sonntagsspaziergang, fordert die zweite Etappe bis zum Col de Riedmatten nun alles ab. Zwar sind bis zum Pass auf 2’918m ü. M. lediglich 550 Höhenmeter zu meistern. Diese 550 Höhenmeter haben es aber in sich. Der Aufstieg ist, abgesehen von wenigen Ausnahmen, steil und wie bereits eingangs dieses Artikels erwähnt, sind die letzten 130 Höhenmeter kurz vor dem Pass sogar sehr steil. Gefühlt geht’s senkrecht rauf. Entlohnt wird die Müh und Pein des Aufstiegs jedoch mit einer gigantischen, traumhaft schönen und unendlichen Bergwelt. Ist der Col de Riedmatten erreicht, liegen einem quasi die ganzen Walliser Alpen zu Füssen. Der Col bietet einen atemberaubenden Rundblick auf eine Vielzahl an Viertausender. Viertausender, die immer wieder von Gletschern durchbrochen werden. Leider zeigt sich, dass auch Gletscher auf dieser Höhe um ihr Überleben kämpfen. Übrigens: Ca. 200 Meter neben dem Col de Riedmatten mit seinen 2’918m ü. M. gibt es einen zweiten Pass, der als Übergang genutzt werden kann. Dabei handelt es sich um den Pas de Chèvres, der mit 2’855m ü. M. etwas weniger hoch ist als der Col de Riedmatten. Der Pas de Chèvres ist jedoch technisch um einiges anspruchsvoller, da für dessen Übergang Leitern zu nutzen sind. Deshalb verfügt dieser Passübergang über den Schwierigkeitsgrad T4.

Wie der Aufstieg ist auch der Abstieg nach Arolla steil. Zwei, drei kurze Passagen nach dem Col de Riedmatten sind sogar sehr steil. Ketten gibt’s keine zur Sicherung. Ich passierte diese Stellen auf dem Hosenboden. Dies auch wegen meiner Höhenangst. Mit der erforderlichen Umsicht sind diese Passagen jedoch für geübte Berggänger problemlos machbar. Vor allem bei trockenem Gelände. Mehr Sorgen verursachte mir die lausige Wegmarkierung kurz vor Arolla. Immer wieder verpasste ich die richtigen Abzweigungen. Zum Glück konnte mir die Swisstopo App hier weiterhelfen. Ob mit oder ohne Hosenboden, ob mit oder ohne Swisstopo App: auch der Abstieg von der Col de Riedmatten nach Arolla brilliert mit fantastischen Bergwelten. Und oberhalb von Arolla gesellen sich noch Arvenwälder zu diesen Bergwelten dazu.

Da die Anreise von Zürich bis zum Ausgangspunkt der Tour über vier Stunden Fahrzeit in Anspruch nimmt, habe ich die Nacht zuvor im Hotel Barrage verbracht, das sich ironischerweise auch „The Ritz“ nennt (ob das markentechnisch abgeklärt wurde?). Das Hotel befindet sich am Fusse der Staumauer Grand Dixence, unmittelbar neben der Talstation der Seilbahn, die zum Ausgangspunkt der Tour hochfährt. Wer nun ein idyllisches Berghotel erwartet, wird schwer enttäuscht. Das Hotel erinnert eher an einen gesichtslosen Plattenbau aus DDR-Zeiten. Acht Stockwerke hoch, alles normiert, alles funktional. Von Hotelidylle keine Spur. Auch das Restaurant und der Speisesaal versprühen einen Charme einer Autobahnraststätte aus den Siebziger Jahren. Dennoch: Die Superior-Zimmer in den oberen Etagen sind komplett renoviert. Zwar sind auch die renovierten Zimmer sehr funktional ausgestattet, dafür sind sie sehr gross und hell. Zudem verfügen sie über top-moderne Nasszellen, die ebenfalls viel Platz bieten. Die Nasszellen können durchaus mit einem Viersternehotel mithalten. Inklusive der Auswahl an Pflegeprodukten. Begeistert hat mich auch das Abendessen und die Weinauswahl. Meine Rösti mit Schinken und Käse überbacken und einem Spiegelei obendrauf war hervorragend. Ebenfalls der einheimische Rotwein. Gepunktet hat das Hotel auch mit dem Personal. Alle waren sehr zuvorkommend, alle waren sehr freundlich. Man fühlt sich als Gast hier willkommen. Blendet man die fehlende Idylle drinnen wie draussen aus, ist das Hotel als Ausgangslage für diese Tour optimal. Zumal es auch über ein sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis verfügt.

Anreise und Rückreise

Anreise aus der Deutschschweiz oder dem Tessin: Mit der SBB oder der Matterhorn Gotthard Bahn bis nach Visp (VS). Ab Visp mit der SBB bis nach Sion (VS). Nun mit dem Postauto (Kante C, Linie Nr. 372) bis zur Endhaltestelle in Dixence, Le Chargeur (VS). Die Endhaltestelle des Buses befindet sich am Fuss der „Grande Dixence“-Staumauer. Unmittelbar bei der Bushaltestelle gibt’s eine Personen-Seilbahn, die die 285 Meter der Staumauer bis zur Krone hochfährt. Wer möchte, kann natürlich auch zu Fuss hochgehen. Hierfür sind zusätzliche 30 Minuten Wanderzeit erforderlich. Der Weg geht dabei im Zickzack steil der Staumauer entlang hoch.

Anreise aus der Westschweiz: Mit der SBB bis nach Sion (VS). Anschliessend Fortsetzung der Anreise wie aus der Deutschschweiz oder dem Tessin.

Rückreise: Ab Arolla, Post (VS) mit dem Postauto der Linie Nr. 382 bis nach Les Haudères, centre (VS). Ab Les Haudères mit der Postauto-Linie Nr. 381 bis nach Sion. In der Regel ändert der Bus in Les Haudère nur die Linien-Nummern von Nr. 382 auf die Nr. 381, d.h. es ist kein Umsteigen erforderlich. Ab Sion Rückreise wie Anreise.

 

Nützliche Links für deine Reiseplanung:
Fahrplan SBB bzw. Fahrplan Postauto

Tourdaten

Schwierigkeit
Symbol Schwierigkeit der Tour
Schwer
SAC-Einstufung
SAC- Einstufung
T2, T3
Beste Jahreszeit
Symbol Beste Jahreszeit der Wanderung
Mitte Jul – Anfang, Mitte Okt
Tourlänge
Symbol für Länge der Wanderung
17.5 km
Tourdauer
Symbol für Dauer der Wanderung
5 ¾ Stunden
Aufstieg
Symbol für Aufstiegsmeter der Wanderung
707 m
Abstieg
Symbol für Abstiegsmeter der Wanderung
1049 m

Wanderkarte und Höhenprofil


Etappen

Symbol Schwierigkeit der Tour
Bergstation Seilbahn „Grande Dixence“ (Staumauer-Krone)
2376 m.ü.M.
Symbol Schwierigkeit der Tour
Wegmarkierung 2’371m ü. M
1 Std. 45 Minuten
2371 m.ü.M.
Symbol Schwierigkeit der Tour
Col de Riedmatten
3 Std. 50 Minuten
2918 m.ü.M.
Symbol Schwierigkeit der Tour
La Remointse
4 Std. 50 Minuten
2398 m.ü.M.
Symbol Schwierigkeit der Tour
Arolla Poste
5 Std. 45 Minuten
2009 m.ü.M.

Verpflegungs­tipps

Hotel Barrage „Grande Dixence“, Hérémence
Link zur Webseite
Grand Hotel Kurhaus, Arolla
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Hotel du Glacier, Arolla
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Hotel de la Tza, Arolla
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Übernachtungs­tipps

Hotel Barrage „Grande Dixence“, Hérémence
Link zur Webseite
Grand Hotel Kurhaus, Arolla
Link zur Webseite
Hotel du Glacier, Arolla
Link zur Webseite
Hotel de la Tza, Arolla
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