Im Reich des Ostschweizer Königs: Zwei Tage im Alpstein
Ronnys Bewertung

Kondition

Landschaft
Mit dem Alpstein verfügt der Ostschweizer König, der mächtige Säntis mit 2’502 Metern über Meer wohl über das schönste Reich. Dank seiner kompakten Monumentalität und seiner Geologie ist dieses Gebirge einzigartig. Gewaltige Höhenunterschiede und steile Felswände auf engstem Raum prägen die Landschaft. Dazu kommen die drei markanten Faltenketten aus hellem Kalkstein und die drei magischen Bergsee-Perlen: der Seealpsee, der Fälensee und der Sämtisersee. Dieses Königreich im Nordosten der Schweiz gehört zweifelsfrei zu den schönsten Flecken dieses Landes.
Diese Zweitageswanderung führt quer durch dieses atemberaubend schöne Reich und lässt den Alpstein in all seinen Facetten erleben. Jeder Meter dieser Tour ist die Mühe wert. Und wenn die Anstrengung doch einmal grösser wird, tröstet der Umstand, dass der Alpstein über die höchste Dichte an Berggasthäusern weltweit verfügt. Auch auf dieser Tour reiht sich Berggasthaus an Berggasthaus und bietet beinahe lückenlose Verpflegungs- und Übernachtungsmöglichkeiten.
1. Etappe: Ebenalp – Seealpsee
Die erste Etappe startet bei der Bergstation der Seilbahn Wasserauen–Ebenalp. Kaum ist die Bergstation verlassen, geht es bereits bergab in Richtung Berggasthaus Äscher-Wildkirchli. Nach etwas mehr als zehn Minuten Gehzeit, unmittelbar nach der Höhle, windet sich der Weg über eine gedeckte Passerelle dem Hang entlang. Schon zeigt sich das berühmte Berggasthaus, das wie ein Schwalbennest an einer rund hundert Meter hohen Felswand klebt.
Durch internationale Medienberichte, das Cover von National Geographic und unzählige Beiträge in den sozialen Medien erlangte das Berggasthaus weltweiten Ruhm. Entsprechend gross ist der Besucherandrang – zu praktisch jeder Jahres- und Tageszeit.
Nach der Terrasse des Berggasthauses setzt sich der Abstieg in Richtung Seealpsee fort. Meist verläuft der Weg durch den Wald. Er ist jedoch steil, stark ausgesetzt und besteht grösstenteils aus Treppen. Oft fällt der Hang neben dem Weg steil ab. Handseile bieten zusätzliche Sicherheit. Mit der nötigen Umsicht ist dieser Abschnitt jedoch gut machbar.
2. Etappe: Seealpsee – Meglisalp
Besteht die erste Etappe vorwiegend aus Abstieg, steht auf der gegenüberliegenden Talseite nun der Aufstieg an. Dieser lässt sich in drei Abschnitte unterteilen: Der erste Teil bis Gross Hütten ist eher gemächlich, der zweite deutlich steiler und der dritte entlang der Schrennen-Wand gleicht eher einem Höhenweg.
Dieser Abschnitt weist jedoch einige exponierte Stellen auf. Teilweise fällt das Gelände neben dem Weg steil ab. Der Pfad ist allerdings genügend breit und die exponierten Stellen sind mit Handseilen gesichert. Immer wieder öffnen sich herrliche Ausblicke auf das gegenüberliegende Berggasthaus Äscher-Wildkirchli, den Seealpsee tief unten im Tal sowie auf den Säntis und die umliegenden Bergketten.
Sobald die Schrennen-Wand überwunden ist, zeigt sich bereits das Etappenziel: die Meglisalp mit ihrem gleichnamigen Berggasthaus.
3. Etappe: Meglisalp – Widderalpsattel – Rheintaler Sämtis
Die dritte Etappe startet unmittelbar beim Berggasthaus Meglisalp und führt über Spitzigstein und Borsthalden zum Sattel neben dem Bötzelkopf. Der Aufstieg ist steil, entschädigt jedoch mit traumhaften Ausblicken auf den Säntis, den Chalbersäntis und den Rotsteinpass.
Wir machten diesen Aufstieg frühmorgens bei perfekten Wetterbedingungen. An der Schönheit dieser Berglandschaft konnte man sich kaum sattsehen. Ein unvergesslicher Moment.
Vom Sattel aus geht es ohne nennenswerte Steigungen im weiten Bogen oberhalb der Bötzelalp weiter zum höchsten Punkt der Tour, dem Widderalpstock auf 1’855 Metern über Meer. Hier öffnet sich der Blick nach Osten auf den Hohen Kasten und auf die Bergkette, die den Abschluss des Alpsteins zum Rheintal und weiter nach Österreich bildet. Zu Füssen breitet sich die Ebene der Rheintaler Sämtis aus, und ein erster Blick auf den Sämtisersee wird frei.
Der Abstieg zur Rheintaler Sämtis ist ebenfalls steil, mit der nötigen Umsicht aber gut machbar. Zudem bietet die Alphütte Widderalp unterwegs eine willkommene Verpflegungsmöglichkeit.
4. Etappe: Rheintaler Sämtis – Brülisau
Die vierte Etappe ist technisch wenig anspruchsvoll. Der Weg verläuft grösstenteils auf Zufahrts- und Alpstrassen. Auch landschaftlich kann dieser Abschnitt nicht ganz mit den vorangegangenen Etappen mithalten. Aufgrund der langen Trockenheit gleicht der Sämtisersee derzeit eher einem Teich als einem Bergsee. Der stark zurückgegangene Wasserspiegel hinterlässt einen etwas trostlosen Eindruck.
Auch der letzte Abstieg vom Berggasthaus Plattenbödeli bis zur Talstation der Sigelbahn ist wenig spektakulär. Zwar führt der Weg grösstenteils durch den Wald, was an heissen Tagen angenehm ist, verläuft jedoch mehrheitlich auf einer steilen Zufahrtsstrasse.
Der schönste Teil des Schlussabschnitts sind ab der Talstation der Sigel-Seilbahn die vielen schmucken Appenzeller Häuser entlang der Strasse bis zum Endziel bei der Talstation der Seilbahn Hoher Kasten in Brülisau.
Baden und Schwimmen
Wer gerne schwimmt, packt die Badehose oder das Badekleid ins Gepäck. Der Seealpsee bietet an mehreren Stellen hervorragende Möglichkeiten zum Baden. Aufgrund des tiefen Wasserstands ist dies derzeit am Sämtisersee hingegen kaum möglich.
Kurz nach der Widderalp besteht zudem die Möglichkeit, einen rund zwanzigminütigen Abstecher pro Weg zum Fälensee zu unternehmen. Dieser langgezogene Bergsee ist eine wahre Perle und lädt ebenfalls zum Baden ein. Im Sommer erreicht das Wasser oft angenehme 18 bis 19 Grad.
Übernachten
Wir haben die Tour auf zwei Tage aufgeteilt. Frühaufsteher schaffen sie zwar auch an einem Tag. Wer jedoch das volle Alpstein-Erlebnis geniessen möchte, übernachtet auf der Meglisalp.
Das Berggasthaus wurde vollständig renoviert und bietet geschmackvoll eingerichtete Doppel- und Mehrbettzimmer sowie Massenlager. Die modernen Nasszellen sind bestens ausgestattet und auf jeder Etage genügend vorhanden.
Trotz des grossen Andrangs am Wochenende war alles perfekt organisiert – vom Empfang über das Abendessen bis zum Frühstück. Die Zimmer und Nasszellen waren tipptopp sauber und das Personal stets freundlich und zuvorkommend. Auch kulinarisch blieben keine Wünsche offen.
Wir werden mit Sicherheit in dieses sympathische Berggasthaus zurückkehren. Die Nacht auf der Meglisalp war ein tolles, unvergessliches Erlebnis.
Die Nacht vor der Tour verbrachten wir im Dreisternhotel Hecht im Zentrum von Appenzell. Unser Zimmer versprühte zwar den Charme der Sechzigerjahre, bot jedoch viel Platz und war – ebenso wie die Nasszelle – in tadellosem Zustand. Auch das Frühstücksbuffet überzeugte. Kurz gesagt: Das Hotel Hecht ist eine empfehlenswerte Adresse für alle, die Wert auf eine saubere Unterkunft und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis legen und auf unnötigen Firlefanz verzichten können.
Anreise und Rückreise
Anreise: Mit der SBB bis Gossau (SG) oder mit der Südostbahn SOB bis Herisau (AR). Anschliessend mit den Appenzeller Bahnen AB (Linie S23) bis Wasserauen (AI). Oder ab St. Gallen (SG) mit den Appenzeller Bahnen AB (Linie S21) bis Appenzell (AI). Anschliessend mit den Appenzeller Bahnen AB (Linie S23) bis Wasserauen. Die Talstation der Seilbahn Wasserauen-Ebenalp befindet sich unmittelbar neben dem Bahnhof von Wasserauen. Mit der Seilbahn hoch bis zur Bergstation Ebenalp (AI).
Rückreise: Ab Brülisau, Kastenbahn (AI) mit dem Postauto der Linie 192 bis Weissbad (AI). Ab Weissbad mit den Appenzeller Bahnen AB (Linie S23) bis Herisau oder Gossau. Ab Herisau oder Gossaus Weiterfahrt wie Anreise. Oder mit den Appenzeller Bahnen (Linie S21) ab Appenzell bis St. Gallen
Nützliche Links für deine Reiseplanung:
Fahrplan SBB bzw. Fahrplan Postauto
Etappen
Bergstation Seilbahn Wasserauen-Ebenalp | 0 | 1’590 m.ü.M. | |
Seealpsee | 1 Std. | 1’142 m.ü.M. | |
Berggasthaus Meglisalp | 2 Std. 55 Minuten | 1’517 m.ü.M. | |
Rheintaler Sämtis | 5 Std. 5 Minuten | 1’295 m.ü.M. | |
Brülisau, Kastenbahn | 6 Std. 45 Minuten | 922 m.ü.M. |
Verpflegungstipps
Berggasthaus Ebenalp | Link zur Webseite |
Berggasthaus Seealpsee | Link zur Webseite |
Berggasthaus Forelle Seealpsee | Link zur Webseite |
Berggasthaus Meglisalp | Link zur Webseite |
Berghütte Widderalp | |
Rheintaler Sämtis | Link zur Webseite |
Berggasthaus Plattenbödeli Sämtisersee | Link zur Webseite |
Hotel Hecht Appenzell | Link zur Webseite |
Übernachtungstipps
Berggasthaus Ebenalp | Link zur Webseite |
Berggasthaus Seealpsee | Link zur Webseite |
Berggasthaus Forelle Seealpsee | Link zur Webseite |
Berggasthaus Meglisalp | Link zur Webseite |
Rheintaler Sämtis | Link zur Webseite |
Berggasthaus Plattenbödeli Sämtisersee | Link zur Webseite |
Hotel Hecht Appenzell | Link zur Webseite |




















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