Ein Hauch von Yosemite – mitten in den Glarner Alpen
Ronnys Bewertung

Kondition

Landschaft
Wann immer ich in den Westen der USA reiste, gehörte ein Besuch des Yosemite-Nationalparks in Kalifornien für mich dazu. Ich liebe diesen Park mit seinen markanten, von Gletschern geschliffenen Granitmonolithen, den hängenden Tälern mit ihren Wasserfällen und den weitläufigen Nadelwäldern.
Nun habe ich einen Hauch von Yosemite gleich um die Ecke entdeckt – mitten in den Glarner Alpen.
Südlich des Walensees, im Murg- und Mürtschental an der Grenze der Kantone St. Gallen und Glarus, verbirgt sich eine Landschaft, die mich immer wieder an den berühmten Nationalpark in Kalifornien erinnerte. Markante Felsformationen, Seen, Wasserfälle, Bäche und weite, lichte Arvenwälder erzeugten bei mir dieses ganz besondere Yosemite-Gefühl.
Geologisch könnten die beiden Landschaften allerdings kaum unterschiedlicher sein. Dominiert im Yosemite der Granit, prägt im Murg- und Mürtschental der Verrucano das Landschaftsbild. Dieses auffällig rötliche, rund 250 bis 300 Millionen Jahre alte Gestein entstand aus Ablagerungen unter Bedingungen, die mit einem damaligen Wüstenklima in Äquatornähe verbunden waren.
Verrucano ist relativ wasserundurchlässig. Niederschläge bleiben deshalb vielerorts an der Oberfläche. Zusammen mit der Formung durch ehemalige Gletscher entstand jene Landschaft aus Seen, Bächen, Wasserfällen und Moorflächen, die mich in Kombination mit der markanten Topografie und den Arvenwäldern so sehr an Yosemite erinnerte.
Andere sehen darin wiederum etwas völlig anderes: In einer älteren Publikation wird die Landschaft als an Skandinavien erinnernd beschrieben. Wie auch immer – für mich steht fest: Die Tour durch das Murgtal zu den Murgseen und zurück durchs Mürtschental führt durch eine Landschaft von aussergewöhnlicher Schönheit.
Nicht überraschend also, dass Teile dieser Landschaft geschützt und von nationaler Bedeutung sind. Gleichzeitig befindet sich die Tour im Gebiet des UNESCO-Weltnaturerbes Tektonikarena Sardona. Hier lassen sich Prozesse der Gebirgsbildung besonders eindrücklich nachvollziehen. Seit rund 200 Jahren beschäftigen sich Geologen mit dieser aussergewöhnlichen Region.
Und die Landschaft verändert sich noch heute: Im Gebiet der Tektonikarena Sardona hebt sich das Gebirge geringfügig weiter. Gleichzeitig arbeiten Wasser, Eis und Verwitterung unaufhörlich daran, es wieder abzutragen.
Etappe: Parkplatz Bachlaui – Oberer Murgsee
Die erste Etappe startet beim Parkplatz Bachlaui und folgt mehr oder weniger dem Murgbach. Bis zur Alp Mornen steigt der Weg mässig an. Danach wird es – abgesehen von der Durchquerung der Alp Guflen – deutlich steiler. Der Weg ist jedoch durchgehend gut ausgebaut und meist genügend breit.
Kurz vor dem Etappenziel offenbart sich eindrücklich, was die Gletscher hier geschaffen haben: eine stufenförmige Landschaft mit drei Bergseen.
Auf der untersten Stufe liegt der Untere Murgsee, darüber folgt der Mittlere und schliesslich, auf der obersten Stufe, der Obere Murgsee. Bäche und Wasserfälle verbinden die einzelnen Ebenen miteinander.
Man wandert gewissermassen Stufe für Stufe durch eine vom Eis modellierte Landschaft.
Atemberaubend schön. An dieser Szenerie konnte ich mich kaum sattsehen.
Etappe: Oberer Murgsee – Murgseefurgglen
Auch die zweite Etappe beginnt mit einem steilen Aufstieg. Auf kurzer Strecke sind knapp 130 Höhenmeter zu bewältigen.
Doch mit jedem gewonnenen Höhenmeter wird der Blick auf den Oberen Murgsee eindrücklicher. Während sich auf Instagram die Bilder des Oeschinensees im Berner Oberland beinahe überschlagen, steht der Obere Murgsee deutlich weniger im Rampenlicht.
Verstecken muss er sich keineswegs.
Das intensive Blau des Wassers, die felsige Bergkulisse und die weitgehend unberührte Umgebung ergeben ein Seeszenario, das den anstrengenden Aufstieg schnell vergessen lässt.
Etappe: Murgseefurgglen – Gsponbachfall
Auch diese Etappe ist landschaftlich ausgesprochen reizvoll. Zunächst führt der Weg deutlicher bergab, später wird das Gefälle sanfter und die Route verläuft über mehrere stufenförmig angelegte Alpen.
In Kombination mit den lichten Arvenwäldern und den unzähligen plätschernden Bächen ist die Bezeichnung «Bilderbuchlandschaft» hier alles andere als übertrieben.
Doch diese scheinbar unberührte Landschaft erzählt auch von menschlicher Arbeit.
Auf der Mürtschenalp wurden zwischen dem 16. und 20. Jahrhundert Kupfer- und Silbererze abgebaut. Die bedeutendste Phase lag zwischen 1850 und 1865. Um 1850 arbeiteten hier zeitweise bis zu 50 Bergleute. Noch heute erinnern Stollen und Überreste ehemaliger Anlagen an diese Zeit.
Bei klarer Sicht lohnt es sich während des Abstiegs immer wieder, den Blick in die Ferne schweifen zu lassen. Am Horizont zeigen sich Teile der Churfirsten, und zwischendurch ragt sogar die Spitze des über 2’500 Meter hohen Säntis hervor.
Etappe: Gsponbachfall – Parkplatz Bachlaui
Der letzte Abschnitt ist für mich technisch und konditionell der anspruchsvollste Teil der gesamten Tour.
Nach mehreren Stunden Wanderzeit macht sich einerseits die Müdigkeit bemerkbar. Andererseits führt der Weg nun steil bis sehr steil hinunter. Teilweise besteht er aus Stufen oder ist mit grossen Steinen durchsetzt. Konzentration, Trittsicherheit und eine gute Balance sind gefragt. An einzelnen Stellen helfen Handseile beim Abstieg.
Mir persönlich liegt das Absteigen besser als das Aufsteigen. Deshalb haben wir die Rundtour im Uhrzeigersinn absolviert.
Wer dagegen steile Aufstiege gegenüber steilen Abstiegen bevorzugt, kann die Runde selbstverständlich auch in entgegengesetzter Richtung gehen.
Am Ende bleiben müde Beine – und bei mir vor allem die Erinnerung an eine Landschaft, die mich immer wieder Tausende Kilometer weit nach Kalifornien versetzt hat.
Yosemite? Nein.
Murg- und Mürtschental. Und praktisch gleich um die Ecke.
Gewisses Bildmaterial wurde mir freundlicherweise von Ingrid Brun del Re @frau_reh_ zur Verfügung gestellt.
Anreise und Rückreise
Anreise: Mit der SBB oder der Südostbahn SOB bis Ziegelbrücke (SG, GL). Ab Ziegelbrücke Weiterfahrt mit der S-Bahn der Linie S17 bis Murg (SG). Ab Murg mit dem Taxi bis zum Parkplatz Bachlaui, da für diese Strecke keine ÖV-Verbindungen bestehen. Taxi Walensee bietet diesen Service unter Voranmeldung (Tel. +41 79 735 30 00) an. Die Kosten für die Hin- und Rückfahrt liegen pro Person bei ca. CHF 60 (Stand: Sept. 2026). Mit privaten PWs ist der Parkplatz Bachlaui erreichbar. Für diese Strecke sind keine Weggebühren zu entrichten. Der Parkplatz ist hingegen kostenpflichtig.
Rückreise: Wie Anreise
Nützliche Links für deine Reiseplanung:
Fahrplan SBB bzw. Fahrplan Postauto
Etappen
Parkplatz Bachlaui | 0 | 1’150 m.ü.M. | |
Oberer Murgsee | 2 Std. 15 Minuten | 1’831 m.ü.M. | |
Murgseefurgglen | 2 Std. 45 Minuten | 1’985 m.ü.M. | |
Gsponbachfall | 4 Std. 20 Minuten | 1’385 m.ü.M. | |
Parkplatz Bachlaui | 5 Std. | 1’150 m.ü.M. |
Verpflegungstipps
Murgseehütte, Murg | Link zur Webseite |
Unter Mürtschen Besenbeiz, Obstalden |
Übernachtungstipps
Murgseehütte, Murg | Link zur Webseite |





















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